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"DerStandard.at" schreibt am 20. Oktober 2009 - "Nach Quelle-Aus: Stellenstreichungen bei Deutscher Post" !!!

Das Aus des Versandhändlers könnte Konsequenzen haben: Die Deutsche-Post-Tochter DHL wickelt die Warenhauslogistik ab

Düsseldorf - Nach dem Aus des Versandhändlers Quelle drohen bei der Deutschen Post Stellenstreichungen. Es sei noch zu früh für eine endgültige Entscheidung, sagte Post-Sprecher Claus Korfmacher am Dienstag. Es werde derzeit beraten, welche Konsequenzen zu ziehen seien.
Der Insolvenzverwalter des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, hatte am Montagabend den geplanten Verkauf der Versandhandelsgruppe Primondo - ein großer Post-Kunde - als Ganzes für gescheitert erklärt. Am Nachmittag will Görg die Quelle-Belegschaft in Fürth über die Schließung des Deutschlandsgeschäfts des Universalversenders informieren. Die Post hatte sich bereits im Juli mit der Gewerkschaft Ver.di auf die Verkürzung der Kündigungsfristen für Tarifverträge von rund 3.000 Beschäftigten verständigt, die die Logistik für die Arcandor-Töchter Karstadt und Quelle abwickeln. Der überwiegende Teil dieser Mitarbeiter arbeite für die Karstadt-Warenhäuser, so Korfmacher.

Keine Angaben zum Umsatzvolumen

Zum Umsatzvolumen, das die Post jährlich aus Aufträgen der Arcandor-Versandhandelssparte Primondo mit Quelle und Karstadt erzielt, macht der Konzern keine Angaben. Die Post-Tochter DHL hatte 2005 die Warenhauslogistik für den Essener Konzern sowie das Versenden von Gütern wie Kühlschränken für eine Laufzeit von zehn Jahren übernommen. Damals waren die Post und Arcandor von einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 500 Mio. Euro ausgegangen. Für das Druckunternehmen Prinovis, das die Quelle-Kataloge druckt, bleibt die Schließung des Versandhändlers zunächst ohne Auswirkungen. "Für uns bedeutet das nichts", sagte ein Sprecher des Gemeinschaftsunternehmens der Medienkonzerne Bertelsmann und Axel Springer. Das Management habe für das kommende Jahr sehr konservativ geplant. Daher sei derzeit auch kein Stellenabbau vorgesehen. Arcandor war im Sommer in die Insolvenz geschlittert und und mit ihm die Versandtochter Quelle sowie die Warenhäuser Karstadt. Insolvenzverwalter Görg erklärte, für Primondo habe keiner der vier Interessenten in der vorgegebenen Frist ein Angebot abgegeben. Die nun bevorstehende Schließung werde nochmals 1.500 Arbeitsplätze bei Quelle kosten. Für 2.500 der 10.500 Beschäftigten war bereits ein Sozialplan ausgehandelt worden. (APA)

Quelle: DerStandard.at am 20. Oktober 2009

Schlagworte: arcandor, dhl, dpag, insolvenz, post, quelle, quelle-versand, stellenabbau

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Kommentare zu diesen Artikel

"Zeit Online" schreibt am 20. Oktober 2009 hierzu:


Quelle ist am Ende - Tausende verlieren ihren Job

Fürth (dpa) - Das Ringen um Quelle war vergeblich: 82 Jahre nach der Gründung ist das traditionsreiche Versandhaus am Ende. Sämtliche Rettungsbemühungen für das insolvente Fürther Unternehmen sind gescheitert, die meisten der insgesamt 10 500 Beschäftigten werden ihren Arbeitsplatz verlieren. «Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr», teilte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mit. Als Grund nannte er die gescheiterten Verhandlungen über die Finanzierung des Versandgeschäfts, das sogenannte Factoring. «Das ist für die betroffenen Menschen und ihre Familien eine Riesen-Katastrophe», sagte Quelle-Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Bis zuletzt habe sich das niemand vorstellen können. Noch am Vorabend hatte Sindel im Gläubigerausschuss um eine Lösung gekämpft. «Obwohl ich nie aufgebe, mache ich mir jetzt keine Hoffnungen mehr», sagte Sindel enttäuscht. Auch viele schockierte Quelle-Beschäftigte sehen für sich keine Perspektive mehr. Nach Worten Görgs soll Quelle bereits in wenigen Wochen abgewickelt sein. «Wir müssen funktionsfähig bleiben für die nächsten vier bis sechs Wochen», sagte er am Dienstag in Fürth. Die meisten der verbliebenen Mitarbeiter würden schon zum 1. November keinen Lohn mehr erhalten. «Wir werden uns sehr bemühen, einen geordneten Ausverkauf zu machen», sagte Görg.

Nochmals 4000 bis 5000 Menschen würden ihren Job verlieren, die meisten im Raum Nürnberg/Fürth. Genaue Zahlen könne er noch nicht nennen. Von Anfang an war geplant, rund ein Drittel der 10 500 Arbeitsplätze bei der Arcandor-Tochter Primondo mit dem Flaggschiff Quelle abzubauen. Bei den Call Centern würden «kleinere Einheiten» weitermachen können. Auch beim technischen Kundendienst sehe es besser aus, sagte Görg. Der Kundenverlust war nach seinen Worten der wichtigste Grund für das Aus bei Quelle. «Was wir am wenigsten erwartet hatten, war der kontinuierlich sinkende Umsatz.» Beim Kaufpreis sei man «nicht anspruchsvoll» gewesen. «Wir haben uns bemüht, so billig wie eben möglich zu verkaufen.» Görg sagte, man werde sich nun bemühen, im Inland wie im Ausland so viel wie möglich an Substanz zu retten. Vorsichtig optimistisch äußerte sich der Arcandor-Insolvenzverwalter dagegen zur Zukunft der Warenhaustochter Karstadt. «Karstadt ist in einer viel besseren Lage», sagte Görg. "Der Investorenprozess ist bei Karstadt überwiegend erfolgsversprechend."
Verdi-Handelsexperte Johann Rösch sagte der dpa, bis auf wenige Kollegen, die noch für die Abwicklung benötigt würden, stünden bei Quelle alle Beschäftigten vor der sofortigen Entlassung. Auch die in einem mühsamen Kompromiss aufgestellte Transfergesellschaft zur Weiterqualifizierung der Betroffenen steht vor dem Ende. Grund für das Scheitern der zähen Verhandlungen war am Ende das sogenannte Factoring. Diese für Versandunternehmen typische Art der Vorfinanzierung von Kundenforderungen übernimmt die Quelle-Hausbank Valovis mit Unterstützung der Bayern LB und der Commerzbank - allerdings nur bis zum Jahresende. Eine Einigung über den 1. Januar 2010 hinaus habe nicht erzielt werden können, berichtete Görg. Dies hatten die potenziellen Investoren aber zur Bedingung gemacht. Nun soll der Verkauf der Primondo-Einzelteile folgen, zu denen auch profitable Geschäfte wie etwa Spezialversender (Hess Natur, Baby Walz) oder der Homeshopping-Kanal HSE 24 gehören.

Das Aus für Quelle hat auch bei der Post-Tochter DHL personelle Konsequenzen. Es sei davon auszugehen, dass «wenige Hundert» Stellen in der DHL-Lagerhaltung betroffen seien, sagte ein Post-Sprecher am Dienstag der Deutschen Presse- Agentur dpa in Bonn. Es sei derzeit noch zu früh, konkrete Zahlen zu einem möglichen Stellenabbau zu nennen. Damit stellte der Sprecher frühere Angaben klar, dass rund 200 bis 300 Stellen direkt betroffen seien. Nun müsse man sich erst einmal einen Überblick verschaffen, was an Waren auf Lager sei und was noch ausgeliefert werde, sagte der Sprecher. Die Logistikleistungen der DHL für Karstadt seien von dem Quelle-Fall nicht betroffen. Von der Insolvenz des Handelsunternehmens Arcandor waren zuvor bereits 240 DHL-Stellen bei der Karstadt-Logistik in Unna und Holzwickede betroffen. DHL ist größter Logistikpartner von Arcandor und wickelte einen Großteil der Lagerhaltung und des Warentransports für Karstadt und Quelle ab. Rund 3000 DHL-Beschäftigte arbeiten in der Logistik direkt für Arcandor, davon 200 bis 300 für Quelle. Rund 1000 Post-Mitarbeiter aus dem Brief- und Paketbereich erledigen daneben auch Aufträge für Arcandor und etwa beim Versand von Katalogen und Paketen von Quelle. In der Politik begann unterdessen die Suche nach Schuldigen. Während Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) darauf verwies, «das Menschenmögliche getan» zu haben, warf die bayerische SPD Seehofer sowie Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eine Mitschuld an der endgültigen Pleite vor. Seehofer kündigte unterdessen einen Zukunftsplan für die stark getroffene Region Nürnberg/Fürth an. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) sieht in der Insolvenz von Quelle kein Signal für die gesamte Branche. «Dank steigender Umsätze im E-Commerce ist der Versandhandel ein zukunftssicherer Wachstumsmarkt», sagte der stellvertretende bvh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer in Frankfurt.

Quelle: Zeit-Online am 20. Oktober 2009

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