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"Nürnberger Nachrichten" schreibt am 13. August 2009 - "Die Deutsche Post trimmt ihre Briefsparte auf Ertrag" !!!

Zusteller sollen länger arbeiten - In zwei Jahren keine eigenen Filialen mehr

Nürnberg - Die Briefsparte der Deutschen Post AG soll umgekrempelt werden. Damit die Beschäftigten mitziehen, reist das Top-Management durch das Land und erklärt den Briefträgern, warum sie für den gleichen Lohn künftig länger arbeiten sollen. Wir trafen in Nürnberg den Bereichsvorstand Vertrieb, Christian Stiefelhagen. Der Manager hat die Mitarbeiter in der Kantine des Paketzentrums versammelt. Statt 38,5 sollen sie 40 Stunden pro Woche arbeiten. Anfangs schlagen die Emotionen hoch: «Immer wird bei uns kleinen Leuten gespart, und die Manager schleppen die Millionen ab», ruft einer. Stiefelhagen hält dagegen: Der Post-Vorstand verzichte auf Boni und die übrige Führungsriege auf eine Erhöhung ihrer Bezüge. Niemand bleibe vom Sparkurs ausgenommen.

Zusteller am Ende

Eine andere Stimme wirft ein, die Zusteller seien schon jetzt am Ende ihrer Kräfte, noch mehr Belastungen seien ihnen nicht zuzumuten. Der Vertriebschef aus Bonn sagt, er wolle die Arbeitsbedingungen nicht verschlechtern. 80 Prozent der Zusteller würden bereits heute länger Dienst schieben - auf freiwilliger Basis und gegen Bezahlung. Doch das könne sich die Post nicht mehr leisten angesichts des bröckelnden Briefaufkommens. «Wir verlieren jeden Tag Umsatz», sagt Stiefelhagen. Der gute alte Brief hat 500 Jahre überstanden, aber jetzt verdrängen ihn die E-Mails. Insgesamt wird der Kuchen kleiner, da gleichzeitig seit der Liberalisierung mehr Firmen davon essen.
Freilich, noch hat der Ex-Monopolist im Inland 89 Prozent Marktanteil, was die Bundesnetzagentur als Marktregulierer recht kritisch sieht. Und: «Die Post macht doch Gewinn!», werfen auch die Briefträger ein, die nicht einsehen, warum sie den Gürtel enger schnallen sollen.

Kosten steigen

«Wir verlieren jedes Jahr 250 Mio. € Ertrag», während die Kosten stetig steigen. Wenn das so weitergeht, bleibt in vier Jahren gar kein Gewinn mehr übrig», sagt Stiefelhagen. Einfach abzuwarten, wäre verantwortungslos gegenüber den «190.000 Köpfen, die wir im Briefbereich beschäftigen». Das Geschäft ist personalintensiv. Bei einem Anteil von 70 Prozent an den Gesamtkosten sei dieser Posten die wichtigste Stellschraube. Ein Schritt dahin sei, die Einstiegslöhne zu senken. Die übrigen Belegschaften müssten keine Einkommensnachteile befürchten: «Wir greifen den Arbeitnehmern nicht in die Tasche.» Ein «kleiner Inflationsausgleich» solle auch künftig drin sein, die kommende Tariferhöhung will der Arbeitgeber jedoch verschieben. In Einzelgesprächen, so Stiefelhagen, erlebe er bei den Mitarbeitern große Offenheit, beim Sparen mitzuhelfen - «solange wir sichere Jobs garantieren und die Postler vor Lohnverlusten schützen».

5000 Stellen werden abgebaut

Darüber will das Management so bald wie möglich mit der Gewerkschaft ver.di verhandeln. Der aktuelle Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, läuft noch bis Mitte 2011. Über Altersteilzeit, Fluktuation, Aufhebungsverträge und andere Instrumente werden in diesem Jahr wie in den vorangegangenen auch 5000 Arbeitsplätze abgebaut. Wird auch an den Kunden gespart? Das Thema ist ein Dauerbrenner: Die einen Privatkunden schimpfen über späte Zustellung, die anderen klagen, dass montags gar keine Post ausgetragen würde. Der Vertriebschef schwört Stein und Bein: «Wir stellen alles zu, was montags da ist.» Weil dies jedoch - zumal im Sommer - ein Tag mit wenig Sendungen sei, habe ein Briefträger dann noch den Nachbarbezirk zu bedienen. Neben den Zustellbezirken werden in mengenschwachen Zeiten auch Briefzentren zusammengelegt. «Fakt ist: In jeden Haushalt wird montags zugestellt. Und wir werden das weiter an jedem Werktag tun», versichert Stiefelhagen.

Einschreiben nach Uganda

Zweites Dauerthema mit Ärgerpotenzial sind die Filialen. Die Umwandlung in Agenturen oder «Verkaufspunkte», betrieben vom Handel, ist in vollem Gange. Derzeit sind unter den 14.000 Filialen noch 500 posteigene. Aber nicht mehr lange: «In zwei Jahren ist der Prozess abgeschlossen, dann werden wir gar keine eigenbetriebene Filialen mehr haben», sagt Stiefelhagen. Die befürchteten Qualitätseinbußen sind aus Post-Sicht ausgeblieben, vielmehr profitierten die Kunden von den längeren Öffnungszeiten des Einzelhandels. Kommt ein Kunde mit einem «Exotenwunsch wie dem Einschreiben nach Uganda», kann die Mitarbeiterin eine Hotline um Anleitung bitten. Eine Großbaustelle auch für die Post ist der insolvente Arcandor-Konzern. Dort hat das Logistikunternehmen 3000 Beschäftigte auf der eigenen Lohnliste. Stiefelhagen: «Quelle ist grundsätzlich wichtig für uns. Wir werden alles tun, damit Arcandor und die Töchter eine Zukunft haben.» Für den Fall der Fälle seien bereits Verabredungen getroffen.

Neue Produkte

Da immer weniger physische Briefe verschickt werden, dafür Werbematerial und Rechnungen online beim Adressaten landen, testet die Post neue Produkte. Der Brief im Internet soll genauso sicher sein wie im verschlossenen Umschlag. «Wir wollen die Eigenschaften des Briefes auf die virtuelle Welt übertragen», sagt der Vertriebschef. Seit einigen Wochen prüfen 5000 Postler das neue Produkt. Anfang nächsten Jahres will die Post damit auf den Markt.

Von Angela Giese

Quelle: Nürnberger Nachrichten am 13. August 2009

Schlagworte: appel, briefsparte, briefzustellung, christian, dpag, nürnberg, post, postboten-forum, postvorstand, stellenabbau

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Kommentare zu diesen Artikel

"Über Altersteilzeit, Fluktuation, Aufhebungsverträge und andere Instrumente werden in diesem Jahr wie in den vorangegangenen auch 5000 Arbeitsplätze abgebaut."

Na wenn ...so wie JEDES JAHR wieder 5.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, warum sollen dann die Briefzusteller/in noch zusätzlich 1,5 Stunden in der Woche Umsonst arbeiten ??? Der Stellenabbau der sonst nur "angedroht" wurde, findet doch schon seit Jahren vor den Augen von ver.di statt....also was soll der Quatsch !!!!

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Ganz einfach, weil die E-Substituition der Post mehr Sendungen "raubt" als in den vergangenen Jahren!

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Glenn hat folgenden Kommentar geschrieben:
Ganz einfach, weil die E-Substituition der Post mehr Sendungen "raubt" als in den vergangenen Jahren!

Ja, dass hat der Postvorstand aber auch schon vor Jahren erzählt. Schon wo das Fax in Mode gekommen ist, hat der Postvorstand vom Untergang seines Konzernes gejammert und Sparmaßnahmen damit gerechtfertigt. Der Stellenabbau wird bei der Post allerdings schon seit einigen Jahren still und heimlich durchgezogen !!! Dazu ist es aber schon recht seltsam, wenn der Post durch E-Substitution viele Sendungen flöten gehen und die Zusteller dann mehr arbeiten sollen. Wenn weniger vorhanden sein soll zum Zustellen, warum sollen dann die welche dieses Zustellen mehr arbeiten ??? Und gleichzeigt werden wie jedes Jahr üblich vor den Augen von ver.di mal schnell noch 5.000 sozialpflichtige Arbeitsplätze abgebaut. Ein bißchen viel des guten...oder !!!

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Die Mehrarbeit (40 Std.) wird ja dadurch erreicht, dass die Bezirke vergrößert werden.. um dadurch den Sendungsrückgang aufzufangen! Aber die 5000 Stellen jährlich, welche du anspricht, wurden ja nicht still, heimlich und leise "abgebaut", sondern durch die natürliche Fluktuation vollzogen!

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Glenn hat folgenden Kommentar geschrieben:
Die Mehrarbeit (40 Std.) wird ja dadurch erreicht, dass die Bezirke vergrößert werden.. um dadurch den Sendungsrückgang aufzufangen! Aber die 5000 Stellen jährlich, welche du anspricht, wurden ja nicht still, heimlich und leise "abgebaut", sondern durch die natürliche Fluktuation vollzogen!

Na sicher wurden die Stellen abgebaut !!! Statt neue Vollzeitkräfte einzustellen, hat sich die Post auf 400,-- Euro Hungerlöhner und befristete Arbeitsverträge konzentriet. Eine "Fluktuation" setzt voraus, dass ich "altes" gegen "neues" ersetze und nicht qualifiziertes Personal durch 6 Monats-Hilfskräfte und Subunternehmen ersetze.
Aber Du kannst ja gerne für deinen Postvorstand wegen mir auch 10 Stunden in der Woche UMSONST arbeiten....damit Deine Taschen leerer werden und die vom Vorstand voller !!!

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Glenn hat folgenden Kommentar geschrieben:
Die Mehrarbeit (40 Std.) wird ja dadurch erreicht, dass die Bezirke vergrößert werden.. um dadurch den Sendungsrückgang aufzufangen! Aber die 5000 Stellen jährlich, welche du anspricht, wurden ja nicht still, heimlich und leise "abgebaut", sondern durch die natürliche Fluktuation vollzogen!


die bezirke sind doch schon vergrößert worden und viele kollegen schuften doch jetzt schon am maximum!

mit welcher logik arbeitsplätze bei der post abgebaut werden kann man hier mal nachlesen. dieser bericht ist aus dem jahr 2007 und da gab es noch keine finanzkrise: http://www.shortnews.de/start.cfm?id=667151

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Wenn ich das Wort Altersteilzeit höre,dann stimmt etwas bei der Post nicht.Lt.Regierung läuft die Förderung der Altersteilzeit zum Jahresende aus,die Personalvorstände der Post wollen bei jeglicher Anfrage nicht davon wissen.Jemand der 42 Jahre ohne Unterbrechung im Briefdienst arbeitet ,erhält bei Anfragen keine Antwort o.eine Abfuhr.(so was gibt es bei der Post nicht mehr.)Obwohl die Altersbedingungen noch passen./Jahrgang 1953!!!!!Was ist nun Herr Appel u.Personalvorstände,Warum lasst Ihr diejenigen wo die Bedingungen passen nicht in die Altersteilzeit.Die gleiche Frage muss ich auch VERDI stellen!!!!

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