Interview mit Frank Appel
Post-Chef Frank Appel hofft, einen Arbeitskampf der Briefträger vermeiden zu können. Er hält die Zustellqualität noch immer für gut und will nun einen extrem zuverlässigen E-Mail-Dienst anbieten.
Herr Appel, würden Sie Ihren zwei Kindern raten, bei der Deutschen Post DHL zu arbeiten?
Appel: Natürlich. Das globale Geschäft rund um Logistik und Briefverkehr ist faszinierend und bietet viele Perspektiven.
Zumindest die einfachen Mitarbeiter in Ihrem Konzern sehen die Perspektiven nicht so rosig. Die für Januar vereinbarte Tariferhöhung im Briefbereich soll verschoben werden, die Arbeitszeit länger werden. Und wenn das alles nicht klappt, drohen Sie mit Entlassungen im Briefsektor als ihrer bisherigen Cash-Cow, falls Sie große Teile der Arbeit outsourcen.
Appel: Umgekehrt wird ein Schuh draus: Gerade weil wir wollen, dass viele Kollegen eine gute Zukunft bei uns haben, müssen wir einiges ändern. Das hat mit Kahlschlag nichts zu tun. Wir wollen mit der Belegschaft und ihren Vertretern überlegen, wie wir die Briefsparte als in Deutschland wichtigsten Geschäftsbereich fit machen. Und die Option, Arbeit weiter auszulagern, wählen wir nur, falls wir die Kosten wirklich nicht runter kriegen.
Müssen wir Kunden uns auf den von Verdi angedrohten Streik einstellen?
Appel: Ich hoffe nicht. Wir jedenfalls setzen auf die Fähigkeit zum Kompromiss. So wäre ein Verzicht auf die Tariferhöhung alles andere als ein harter Einschnitt, da die Ende 2008 befürchteten Preiserhöhungen nicht kamen. Die Inflation liegt bei null. Auch falls wir die Arbeitszeit verlängern, wäre das zumutbar: Wir fordern die Rückkehr zur 40- Stunden-Woche statt 38,5 Stunden. Viele unserer Mitarbeiter vor Ort, mit denen ich gesprochen habe, zeigen Verständnis dafür.
Tatsache ist aber, dass die Briefsparte hochprofitabel ist.
Appel: Ja, noch, aber das Briefvolumen sinkt derzeit um mehr als fünf Prozent. Und es gibt keine Anzeichen, dass der Trend sich dreht. Die Menschen kommunizieren viel mehr, als wir erwarteten, über das Internet. Dies bedeutet, dass unser aktueller Gewinn in der Briefsparte von mehr als einer Milliarde Euro in wenigen Jahren bei null liegen könnte, wenn wir jetzt nicht handeln. Darum: Besser jetzt eine sanfte Landung als in einigen Jahren der Absturz.
Hätte Ihr Vorgänger Zumwinkel nicht Milliarden mit seinem USA-Abenteuer verbrannt, hätten Sie Reserven.
Appel: Das mag sein, aber wir haben das US-Expressgeschäft nun saniert. Jetzt müssen wir nach vorne schauen: Da gilt: Mehr als 60 Prozent der Ausgaben im Briefbereich sind Personalkosten.
Mit Ihrem Sparkurs treffen Sie aber auch die Kunden: Ausdünnung des Verteilnetzes am Wochenende, angeblich immer mehr Briefe, die am nächsten Tag nicht ankommen.
Appel: Lassen wir mal die Kirche im Dorf! Die Anpassung der Sonntagssortierung an niedrigere Briefmengen gab es nur in zwei Sommermonaten. Dies hat tatsächlich nur zu einer minimalen Erhöhung der Beschwerden geführt, weil sowieso nur sehr wenige Briefe sonntags/ samstags abgeschickt werden. Zweitens: Innerhalb der Regionen wurden alle Briefe wie üblich am Montag gebracht. Und von generell zu später Zustellung kann nicht die Rede sein: Die Zustellqualität ist unverändert hoch. Rund 95 von 100 Briefen kommen bei zeitigem Einwurf am nächsten Werktag an.
Warum wollen Sie Ihr Brief-Geschäft mit einem eigenen E-Mail-Dienst kannibalisieren ?
Appel: Wir wollen keineswegs einen einfachen Mail-Dienst starten – davon gibt es Tausende – sondern den zuverlässigen, persönlichen Brief in die Welt des Web überführen. Wir als Post werden mit unserem Sicherheitssystem dafür geradestehen, dass der Absender des elektronischen Briefes tatsächlich der Absender ist. Das ermöglicht viel mehr verbindliche Absprachen per elektronischer Post. Die Kunden können per Mausklick zahlen.
Ein so großes Projekt kann nur klappen, wenn Sie es mit Partnern starten.
Appel: Stimmt, je schneller wir viele Menschen zu Teilnehmern des neuen Systems machen, umso besser. Denn die sichere Authentifizierung des Absenders können wir nur einem anderen angemeldeten Kunden bestätigen. Damit das Netzwerk also funktioniert, müssen wir schnell ganz viele Menschen überzeugen mitzumachen. Partner können da sicherlich helfen, sind aber nicht zwingend erforderlich.
Reinhard Kowalewsky führte das Gespräch.
Quelle: RP-Online am 11. September 2009