südmail will das Briefaufkommen 2009 um mehr als zehn Prozent steigern. Die Zahl der Briefkästen klettert auf über 200. Am Samstag sind Besucher beim Tag der offenen Tür willkommen.
(LEUTKIRCH/sz) - Das Ende des guten alten Briefs ist schon oft genug prophezeit worden. Fax und E-Mail, so die düsteren Prognosen, würden das Papier – zumindest im Geschäftsverkehr – in Windeseile vom Markt fegen. Doch die Realität in Deutschland sieht anders aus: Rund zehn Milliarden Euro jährlich lassen sich gewerbliche und private Kunden den Versand von Briefen kosten. Ein Geschäftsfeld, auf dem auch immer mehr private Briefdienstleister munter mitmischen, nachdem das Monopol der Bundespost endgültig gefallen ist. Etwa zehn Prozent des Kuchens haben sie sich in den ersten zehn Jahren abgeschnitten, schätzt Thomas Reiter, Geschäftsführer der südmail GmbH in Weingarten, die zu den größten Anbietern in Süddeutschland gehört. Und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Zumindest südmail trotze der Wirtschaftskrise überaus erfolgreich, sagt Reiter. "Wir werden das Briefaufkommen bei uns im Jahr 2009 um mehr als zehn Prozent steigern können. Das stimmt uns natürlich sehr positiv." Vor diesem Hintergrund ist auch die jüngste Investition des Tochterunternehmens des Medienhauses Schwäbischer Verlag zu sehen: die neue Hochleistungs-Briefsortiermaschine, die die Kapazität in etwa verdoppelt, ohne Abstriche bei der Qualität hinnehmen zu müssen. Dabei waren die Anfänge von südmail durchaus bescheidener. Bei der Gründung im Jahr 1999 – damals noch unter dem Namen "Stadt Express Today" (SET) – erstreckte sich das Zustellgebiet lediglich auf Friedrichshafen am Bodensee. 24 Monate später konnten Briefe dann auch in der Region Ravensburg zugestellt werden. Bis 2004 wuchs das Gebiet schließlich um die Landkreise Biberach, Sigmaringen und Tuttlingen sowie Teile des Alb-Donau-Kreises und des Ostalbkreises.
"Doch das", berichtet Reiter heute rückblickend, "reichte uns natürlich nicht". Nachdem die flächendeckende Zustellung im Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung aufgebaut war, überschritt südmail – durch Kooperationen mit anderen verlagsgestützten Briefdiensten – diese Grenze: Die Post konnte nun auch in die benachbarten Regionen Allgäu, Schwaben und den westlichen Bodenseeraum versandt werden. Eine Entwicklung im Übrigen, die in den vergangenen Jahren rasant Fahrt aufgenommen hat. Über 70 Prozent der bundesdeutschen Haushalte und Fläche gehören inzwischen zum Zustellgebiet von südmail. Tendenz steigend. "Bis Ende 2009 sollen es schon 80 Prozent sein", erklärt Reiter. Möglich macht dies die Kooperation mit der "P2 Brief+Paket GmbH", einem bundesweiten Zusammenschluss etablierter, größtenteils verlagsgebundener Postdienstleister. südmail gehört dabei zu den Gründungsgesellschaftern dieser GmbH.
Firmen handeln kostenbewusst

Den Erfolg und das kontinuierliche Wachstum des Unternehmens sieht Reiter vor allem im Geschäftsmodell und der Preispolitik von südmail begründet. "Wir bieten Kunden mit einem Briefaufkommen von mehr als 30 Stück pro Tag die komplette Leistung aus einer Hand – von der kostenlosen Abholung aller Sendungen direkt vor Ort über Sortierung, Frankierung, Zustellung mit Sendungsnachverfolgung bis hin zu einer detaillierten Rechnung am Ende des Monats. Außerdem haben wir unser Spektrum um sogenannte Lettershop-Leistungen erweitert, sprich: Wir übernehmen auch den Druck, das Falzen und Kuvertieren von Massensendungen." Gerade in der Krise agierten viele Firmen zudem besonders kostenbewusst. Einsparungen von zehn bis zwanzig Prozent beim Briefporto sowie die Chance, auch intern Kosten zu reduzieren, kämen vielen ebenso gelegen wie die komplette Abwicklung durch einen Partner. Briefe außerhalb des Zustellgebiets und ins Ausland werden von südmail an andere Anbieter weitergereicht, Pakete über einen separaten Dienstleister verschickt. Gut 2000 gewerbliche Kunden im Südwesten setzen derzeit auf das südmail-Modell.
Privatkunden im Blick
Dennoch haben Thomas Reiter und Karl Stadler, die die Geschäfte gemeinsam führen, die Privatkundschaft nicht aus dem Auge verloren. Mit der ersten Briefmarkenserie "Himmelreich des Barock" (2007), die insbesondere auch die Verbundenheit mit der Region zum Ausdruck bringen sollte, gelang es, viele kleinere Briefversender zu gewinnen. Über 160 Verkaufsstellen und ebenso viele blaue Briefkästen sind inzwischen im Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung zu finden, Tendenz ebenfalls steigend. Bis zum Jahresende könne diese Zahl auf mindestens 200 geschraubt werden, hofft Reiter.Insgesamt 85 000 Sendungen landen so in den Briefzentren in Weingarten und Aalen. Rund 100 Mitarbeiter meistern dieses tägliche Aufkommen. Mehr als 2000 Zusteller sind allein im SZ-Verbreitungsgebiet eingesetzt. Dass das Geschäftsmodell weiterhin Erfolg hat, davon ist man nach zehn Jahren beim Jubilar felsenfest überzeugt. Gerade auch deshalb bilde man fünf junge Menschen zu Fachkräften für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen aus. "Wir", sagt Thomas Reiter, "betrachten das als eine Investition in die Zukunft".
südmail informiert und feiert
Jubiläum südmail ist zehn Jahre alt geworden – und möchte seinen Geburtstag mit möglichst vielen Gästen feiern. Deshalb öffnen sich am kommenden Samstag (27. Juni) zwischen zehn und 17 Uhr die Türen im Briefzentrum Weingarten (Ettishofer Straße 8) – allerdings nicht nur für zünftige kulinarische Genüsse. Bei Führungen und im Gespräch mit Mitarbeitern soll das Geheimnis der Briefzustellung gelüftet werden. Briefmarkenliebhaber dürfen sich auf einen Sonderstempel freuen, der exklusiv für diesen Tag angefertigt worden ist. Und auch an die jüngsten Besucher hat man gedacht: Hüpfburg und Kinderschminken sollen ihnen den Tag versüßen. Bei einem Malwettbewerb könnten zudem neue Motive für südmail-Briefmarken entstehen.
Quelle: Schwäbische Zeitung am 23. Juni 2009